Rollende Kita

Kinder verstehen

Regeln geben Kindern Sicherheit

Sie vermitteln ihnen Gesetzmäßigkeiten des Alltags und helfen ihnen, Signale zu beobachten, richtig zu deuten und vor allem zu beachten. Es ist die Aufgabe von Eltern und Aufsichtspersonen, Kinder auf diese Signale aufmerksam zu machen und dazugehörige Regeln aufzustellen. Das Kind muss sich auf Richtigkeit und Gültigkeit der Regeln verlassen können. Das vermittelt Sicherheit.

Vor allem im Straßenverkehr ist es wichtig, Regeln mit Nachdruck zu vermitteln!

So lernen Kinder, Motorengeräusche und Straßenübergänge einzuordnen, dementsprechend aufzupassen und rote Ampeln und Schilder zu beachten. Eltern und Aufsichtspersonen müssen sich dabei stets ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Handeln sie nicht entsprechend der Regel, wird das Fehlverhalten schnell kopiert und kann zu Unfällen führen.

Das klassische Beispiel ist hier die rote Ampel: Läuft ein Erwachsener bei Rot über die Straße, läuft das Kind mit (man spricht hier vom „Sogeffekt“) Kinder lernen am schnellsten und einfachsten durch Beobachtung – hierbei unterscheiden sie aber leider nicht zwischen Richtig oder Falsch. Ihnen das zu vermitteln ist Aufgabe der erwachsenen Vorbilder. Gehen Sie mit Ihrem Kind so oft wie möglich kurze Strecken zu Fuß. So wird es mit dem Straßenverkehr vertraut und bewegt sich sicherer.

Im Spiel gelernt

Das „kognitive“, also das erkenntnismäßige, einsichtige Lernen ist der Schlüssel zu einem sinnvollen Lernprozess. Damit ein Kind sich etwas gut merken kann, sollte die Situation nicht nur vereinfacht und erklärt werden, sondern auch andere Sinne ansprechen. Gerade so komplexe Dinge wie Straßenschilder können zum Beispiel nachgemalt oder spielerisch vermittelt werden. So können Kinder sie sich leichter einprägen.

Kinder müssen zum Lernen motiviert werden. Es hilft, wenn das Gelernte regelmäßig angewendet und eine Verbindung zwischen der spielerischen Vorgabe und der Realität hergestellt wird. Außerdem sollte das Kind verstehen, dass Fehlverhalten Konsequenzen haben kann. Kinder sind spontan, konzentrieren sich meist nur auf eine Sache und interpretieren fantasievoller als Erwachsene. Das richtige Verhalten sollte deshalb durch ständiges Wiederholen und Üben zur Routine werden, um „Ausrutscher“ zu vermeiden.

Lob ist hierbei wichtiger als Strafe!

Zwischen Wollen und Sollen

Die Neulinge im Straßenverkehr – Kleinkinder mit ca. drei Jahren – durchleben zeitgleich ihre Trotzphase und wollen möglichst immer genau das, was sie nicht dürfen. Dass Erwachsene Grenzen setzen und Regeln aufstellen, stößt oft auf Widerstand und Ungehorsam.
Dennoch ist es gerade im Straßenverkehr lebenswichtig, die gesetzten Grenzen aufrechtzuerhalten und sich durchzusetzen. Auch wenn das Kind testet, trotzt und „nicht will“, muss es lernen, dass Regeln auf der Straße unumgänglich sind. Dabei müssen Eltern und Aufsichtspersonen den Spagat zwischen „zu schwachem“ und „zu starkem“ Widerstand schaffen. Ist der Widerstand zu schwach, kann ein Kind sich schnell zum Wiederholungstäter und Tyrannen mausern. Ist der Widerstand zu stark, kann man damit den Willen des Kindes brechen – was schwerwiegende psychologische Folgen für die Zukunft haben kann.

Die Trügerische Wahrnehmung

Im Vorschulalter wandelt sich die Wahrnehmung eines Kindes. Die Dinge werden nicht mehr länger mit Eigenschaften in Verbindung gebracht („böses Auto“). Dennoch ist hier Vorsicht geboten: Das Kind verleiht den Dingen zwar keine „Seele“ mehr, aber es geht vom „optischen Bild“ aus. Das heißt, es hat noch nicht gelernt, das Objekt mit Hinter- Grundwissen und Erfahrung zu verbinden. Ein Erwachsener sieht einen weiter entfernten LKW und ein nahes Auto sieht und weiß aus Erfahrung, dass der LKW nur aus der Entfernung kleiner wirkt. Ein Kind sieht einen kleinen LKW und ein größeres Auto. Es versteht nicht, dass der LKW trotzdem größer ist als das Auto. Dieser Umstand sollte bei der Verkehrserziehung im entsprechenden Alter beachtet und dem Kind so oft wie möglich anschaulich erklärt werden.

Mit ca. sieben Jahren ist der „Prozess der Wahrnehmungsschulung“ abgeschlossen, und das Kind versteht, dass das, was es sieht nicht immer der Wirklichkeit entspricht. Es kann „filtern“ und Verbindungen mit Gelerntem herstellen – der herankommende LKW wird auch aus der Entfernung als „groß“ eingestuft.

Mit Sinn und Verstand

Hierzu sollte man wissen, dass es unterschiedliche Sinnes- typen gibt: man unterscheidet zwischen „visuell“ geprägten Kindern, denen, die einen stark ausgeprägten Hör-, Geschmacks- oder Geruchs- oder Tastsinn haben, und schließlich den so genannten „Bewegungskindern“. Jedes nimmt seine Umwelt mit den entsprechenden Schwerpunkten wahr. Es versteht Sachverhalte besser, wenn sie in seiner „Sprache“ vermittelt werden. Im Straßenverkehr spielt sich jedoch das Meiste über Gehör und Augen ab. Diejenigen, die gesehene oder gehörte Botschaften gut aufnehmen, haben es gerade im Straßenverkehr leichter und können schneller reagieren, da keine „Übersetzung“ nötig ist.

Die Macht der Fantasie

Kinder verarbeiten Angst, indem sie in brenzligen Situationen oft das so genannte „magische Denken“ nutzen: sie ver- wandeln eine Situation, flechten Fantasieprodukte ein und machen sie so weniger bedrohlich. Der entwicklungsbedingte kindliche Weltbezug hat zur Folge, dass Kinder in diesem Alter Realität und Illusion nicht immer einwandfrei aus- einander halten.
Auch im Straßenverkehr kann dieser Fall eintreten. Ein Kind reagiert nicht schnell genug, da es nicht vorausschauend handelt und die Wirkung seines Handelns nicht begreift. Oder es bekommt Angst und flüchtet in eine Fantasiewelt. Deshalb ist es besonders schwer, Kindern begreiflich zu machen, dass es teilweise Schuld an einem Unfall hat und sein Fehlverhalten Konsequenzen hat.

Quellenangaben:
Kinder verstehen“ PDF