FahrRad Schulchallenge 2025

Mobilitätsprojekt – sicher zur Schule und zurück

Konzept zur Förderung der eigenständigen Mobilität von Schüler*innen an Grundschulen

Seit einigen Jahren werden die langfristigen Effekte von Eltern-hol- und -bringdiensten deutlich: Hol- und Bringdienste verursachen einen erheblichen Teil der morgendlichen und mittäglichen Verkehrsbelastung im Umfeld der Schulen. Sie belasten die Umwelt und gefährden die Kinder, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller zur Schule kommen.

Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Aachen ein Konzept entwickelt, die die eigenständige Mobilität von Grundschülern fördern soll. In Zusammenarbeit mit der Polizei und einem Verkehrsplanungsbüro wird das Mobilitätsprojekt an Aachener Grundschulen seit 2008 umgesetzt.

Ziele dieses Projektes sind:

  • Die Verkehrssicherheit an der Schule und im Schulumfeld zu erhöhen
  • Den schulbezogenen Hol-/Bringverkehr zu reduzieren bzw. verträglich zu gestalten
  • Die Selbstständigkeit und die motorischen Fähigkeiten der Kinder zu fördern
  • Einen Beitrag zu einer gesunden und umweltbewussten Fortbewegung zu leisten
  • Eine weitgehend selbstständige Umsetzung wesentlicher Konzeptbausteine durch die Schule in den nächsten Jahren zu ermöglichen.

Das Mobilitätsprojekt für die Grundschulen besteht aus verschiedenen ineinandergreifenden Bausteinen:

1. Elterninformationen

  • Elterninformationsveranstaltung zu Beginn des Projektes, bei der die Eltern über das Projekt und seinen Ablauf informiert werden, sie haben Gelegenheit, Fragen zu stellen, Bedenken zu äußern und Anregungen zu geben

  • Elternbriefe und Internetseite zum Mobilitätsprojekt
2. Befragung

  • Die Schüler*innen werden mittels eines Fragebogens zu verschiedenen Aspekten befragt, wie z. B.:
    „Wie kommst Du zu Schule?“, „Kannst Du Fahrrad fahren?“

  • Auch die Eltern werden mittels eines Fragebogens zu verschiedenen Aspekten befragt, wie z.B.:
    „Sind Sie an einer Schulweggemeinschaft interessiert?“
3. Reduzierung und Gestaltung des Hol- /Bringverkehrs

3.1 Elternhaltestellen

Hintergrund: In einigen Fällen ist es wegen des großen Einzugsbereichs der Grundschulen erforderlich, sogenannte Elternhaltestellen einzurichten. Die Eltern werden gebeten, ihre Kinder an diesen Stellen aus dem Auto steigen und von dort aus alleine oder in einer Gruppe den restlichen Weg zur Schule gehen zu lassen. Somit wird erreicht, dass der sensible Bereich um die Schule entlastet wird und den Kindern ermöglicht, auch ein Stück zu Fuß zur Schule zu gehen. Im Rahmen des Mobilitätsprojekts wird ein Elternhaltestellenkonzept erarbeitet. In der Regel liegt folgendes Anforderungsprofil zugrunde:

  • Fußwegeentfernung von 5 bis 10 Minuten zur Schule mit einem sicheren Restschulweg. Die Kinder sollen von dort aus zunächst von Eltern begleitet werden und lernen, den verbleibenden Schulweg sicher alleine oder in einer Gruppe von Kindern zu gehen. Die Begleitung sollte schrittweise zurückgenommen werden.

  • Die Standorte sollten Idealerweise an Hauptlaufrouten von Gehgemeinschaften liegen.

  • Die Standorte sollten möglichst so gewählt werden, dass sensible Wohnbereiche nicht zusätzlich belastet werden.

  • Sie sollten möglichst in Bereichen mit wenig Parkdruck und Fremdverkehr liegen, sodass eine Freihaltung mittelfristig mit überschaubarem Überwachungsaufwand sichergestellt werden kann.

  • Konkurrenz mit Bewohnerparken sollte vermieden werden.

  • Wendefahrten sollten möglichst vermieden werden.

  • Vor der Schule wird eine „rote Zone“ eingeführt. Dieser Bereich soll vom Bring- und Holverkehr freigehalten werden.

  • Jedes Elternhaltekonzept ist der jeweiligen Schule angepasst.

3.2 Schulweggemeinschaften

  • Die Bereitschaft der Eltern, sich an Schulweggemeinschaften (zu Fuß, mit dem Auto oder dem Bus) zu beteiligen, wird zu Beginn des Projektes in einem Elternbrief abgefragt. Die Ergebnisse werden ausgewertet und aus dem Pool der Interessierten potentielle Schulweggemeinschaften gebildet.

4. Fahrradtraining im Schonraum und in der Natur

Hintergrund: Erfahrungen der Polizei und der Verkehrswacht zeigen, dass die Fahrsicherheit von Kindern auf dem Fahrrad (Motorik, Gleichgewichtssinn, Koordinationsfähigkeit) in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist: Kinder, die im 4.Schuljahr an der Radfahrausbildung teilnehmen, sind häufignicht in der Lage, mit ihrem Fahrrad verkehrssicher auf der
Straße zu fahren.

  • Die Polizei ist personell nicht in der Lage, über die Radfahrausbildung hinaus Fahrtrainings an den Schulen anzubieten, deshalb beinhaltet das Konzept für die Schulprojekte ein so genanntes Schonraumtraining, dass die Eltern und Lehrer für die Kinder ihrer Schule anbieten und selbstständig durchführen können. Dazu werden interessierte Eltern von der Polizei in einer ca. 90-minütige Schulung zu so genannten Multiplikatoren ausgebildet.

  • Als Schonraum stehen prinzipiell der Schulhof und das Floriansdorf zur Verfügung. Schulklassen können das Floriansdorf jeden Freitag von 9 bis 13 Uhr oder nachmittags buchen. Die Kinder bekommen zusätzlich zu dem Fahrradtraining Verkehrsunterricht zu den Themen verkehrssicheres Fahrrad, die Notwendigkeit eines Fahrradhelms, Verkehrsschilder, Verkehrsregeln, Toter Winkel etc.. Der Unterricht ist kostenlos und die Busfahrt übernimmt der Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen. Pro Kind muss jedoch an das Floriansdorf 1 Euro bezahlt werden.

  • Es werden geführte Fahrradtouren abseits der viel befahrenden Straßen angeboten. Dies soll den Kindern das Fahrradfahren und die Natur näher bringen. Dadurch können die Kinder auch eine längere Strecke zurücklegen.
5. Verkehrsunterricht

  • Durchführung von theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten in den 1. bis 4. Schuljahren.

  • Die Unterrichtseinheit für die 1. Klassen haben die Themen Wahrnehmung und Fahrbahnüberquerung

  • Das Thema für die 2. KIassen ist der „Toter Winkel“.

  • Für die 3. Klassen sind theoretischer und praktischer Unterricht vorgesehen. Im theoretischen Unterricht wird ein Kinderstadtplan erarbeitet. Darüber hinaus geht es um Orientierungsfragen, die Bedeutung verschiedener Straßenkategorien und Überquerungsstellen sowie dem selbstständigen Auffinden verkehrssicherer Routen (auch in der Freizeit). Der praktische Unterricht beinhaltet Übungen zur Einschätzung von Entfernungen und Geschwindigkeiten.

  • Busverkehr ist das Thema der 4. Klasse. Im Gegensatz zum Busschulangebot, dass die Polizei mit der ASEAG an den weiterführenden 5 Schulen (5. bis 6. Klasse) anbietet, wobei die Schüler das richtige Verhalten an der Bushaltestelle und im Bus lernen, wird bei dem vom Mobilitätsprojekt angebotenen Unterricht den Schülern der 4.Klasse erklärt, wie sie sich im System Busverkehr orientieren können.

  • Die Unterrichtseinheit für die 1. bis 4. Klassen wurde in drei Broschüren allen Grundschulen in Aachen zur Verfügung gestellt.
6. Verkehrssichernde Maßnahmen

Neben dem schulbezogenen Hol-/Bringverkehr können Liefer-, Baustellen- und/oder Veranstaltungsverkehr dazu beitragen, die Verkehrssicherheit im direkten Schulumfeld zu beeinträchtigen. Zur Erhöhung der Sicherheit stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung:

6.1 Stempelaktion:

„Wie bist Du heute zur Schule gekommen?“ Diese Aktion wurde speziell für Grundschulen konzipiert. In dem Wochenkalender stempeln die Schülerinnen und Schüler jeden Morgen, wie sie zur Schule gekommen sind. Für jedes Verkehrsmittel (Auto, Auto mit Elternhaltestelle, Roller, Fahrrad, Bus und zu Fuß) gibt es einen Stempel. Die Schüler sollen dadurch über ihr eigenes Mobilitätsverhalten nachdenken. Schulen, die Elternhaltestellen haben, müssen mind. einmal im Jahr diese Stempelaktion durchführen. Dadurch wird evaluiert, ob die Elternhaltestellen auch angenommen werden.

6.2 Denk- und Dankzettelaktionen

Die Polizei verteilt zusammen mit Schüler*innen der vierten Klasse und den Klassenlehrern Denk- und Dankzettel.

6.3 Warnwestenaktion: Sehen und gesehen werden:

Mit dieser Aktion soll besonders in den Wintermonaten auf die Gefahren hingewiesen werden, wenn das Fahrrad keine ausreichende Beleuchtung hat. Außerdem werden die Schulkinder ermuntert mit Warnwesten oder reflektierende Kleidung zur Schule zu gehen. Es werden Leuchtkragen ausgegeben und eine Warnwesten Aktion, bei dem jedes Kind eine Kleinigkeit bekommt wenn es mit der Warnweste zur Schule gekommen ist, durchgeführt.

7. Allgemeines

Die Umsetzung erfolgt etwa im Laufe eines Jahres durch eine Projektgruppe bestehend aus Stadtverwaltung (Projektführung), Polizei, Lehrer- und Elternvertreter und beauftragtem Planungsbüro. An einigen Schulen machen auch Schüler vom Schülerparlament mit. Das Projekt ist so konzipiert, dass einmal eingeführt wesentliche Projektbausteine in den folgenden Jahren von der Schule weitgehend selbstständig umgesetzt werden können.

Alle Informationen hierzu auch als PDF.
Mobilitätsprojekt